Klangfülle und Orchesterdisziplin

Jugendphilharmonie des Landkreises feiert ihr 15jähriges Bestehen mit Konzert

Von Dietholf Zerweck (LKZ vom 5.5.2015)

Als Vorsitzender des Vereins der Jugendphilharmonie im Landkreis Ludwigsburg konnte Karl-Heinz Schlumberger beim Jubiläumskonzert im Forum viele Ehrengäste begrüßen: Bürgermeister, Kreis- und Stadträte der beteiligten Kommunen und nicht zuletzt als Schirmherr der Veranstaltung Jürgen Walter, den Staatssekretär im Kunstministerium Baden-Württemberg.

Walter sprach zu Beginn von der Bedeutung der Musikerziehung für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Was er und die über 1000 Besucher dann im Konzert der Jugendphilharmonie erlebten, war ein großartiges Beispiel gemeinsamen Musizierens auf hohem Niveau.

Vor 15 Jahren wurde die Jugendphilharmonie anlässlich des 1. Jugendkulturfestivals als Sinfonieorchester der Musikschulen im Landkreis Ludwigsburg gegründet. Heute hat sie etwa 65 junge Orchestermitglieder zwischen 13 und 20 Jahren, die sich durch gute Leistungen beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ oder Empfehlung ihrer Instrumentallehrer und Probespiel qualifiziert haben. Ein besonderer Höhepunkt für das Orchester war die Teilnahme am Florence Youth Festival in Italien, wo es unter der Leitung seines Dirigenten Dietrich Schöller-Manno vier Konzerte in Perugia, Meteriggioni, Montecatini Terme und Florenz gab.

Für ihr Jubiläumskonzert im Forum hatte die Jugendphilharmonie ein anspruchsvolles Programm einstudiert. Zunächst präsentierte es sich in Opernchören von Ruggero Leoncavallo, Pietro Mascagni und Guiseppe Verdi als veritables Opernorchester: klangvoll im Bauernchor des  „Bajazzo“ und dem Einleitungschor aus „Cavalleria Rusticana”, steigerungsfähig beim „Nabucco“-Gefangenenchor und grandios im Finale des 2. Akts aus „Aida”. Zum Triumphmarsch schmetterten auch zwei Ferntrompeten von den Rängen, und der von Ulrich Egerer einstudierte Philharmonische Chor Ludwigsburg sowie der von Schöller-Manno gegründete Opernchor der Stadthalle Balingen gaben ihr Bestes.

Sinfonische Vielfalt

Nach den romantischen Opernchören war nach der Pause sinfonische Vielfalt gefragt: Gustav Holsts Orchestersuite „Die Planeten” forderten von allen Instrumentengruppen klanglich differenzierten Einsatz, besonders für Holz- und Blechbläser, aber auch für die Streicher und das Schlagwerk. In seinen von 100 Jahren entstandenen „Planeten” charakterisiert Holst die einzelnen Himmelskörper aus der Perspektive von Mythos und Astrologie. Die starken Kontraste der einzelnen Sätze der Suite wurden von den Musikern der Jugendphilharmonie in aller Farbigkeit dargeboten.

Dietrich Schöller-Manno, der in Hannover, Paris, London und Rom Violine und Dirigieren studierte und auch ein internationel erfahrener Orchesterleiter ist, verfügt offensichtlich über große musikpädagogische Fähigkeiten.

Vielseitige „Planeten”

Es war ganz erstaunlich, was er in den „Planeten” mit der Jugendphilharmonie an musikalischer Gestaltung erreichte. „Mars, der Kriegsbringer” wirkte wie ein dämonisches Klanggemälde à la „Star Wars”, dagegen glänzten „Venus, die Friedensbringerin“ und „Jupiter, der Bringer der Fröhlichkeit“ vor melodischem Überschwang. Hier verbreiteten die acht Waldhörner einen prächtigen Sound, und beim „Merkur, dem geflügelten Boten“, „Saturm, dem Bringer des Alters” und „Uranus, dem Magier” wurden die kompliziertesten Rythmuswechsel eindrucksvoll bewältigt. Bei „Neptun, dem Mystiker” tönten auch die Sirenenklänge des sechsstimmigen Frauenchors noch mit: der Applaus des Publikums war groß und herzlich.

Bild: Martin Kalb