Ein intensiv leuchtendes Freudenspiel

Eingetragen von Uwe Mindrup am Di, 26.01.2016 - 09:21
Fabian Wöhrle und der Ludwigsburger Motettenchor bringen in der Friedenskirche Barockkantaten zu Gehör

In acht Kantaten beschritt der Ludwigsburger Motettenchor mit Solisten und einem exquisiten Barockensemble auf Originalinstrumenten den geistlichen Weg von Advent, Weihnachten über Christi Passion und Ostern, Pfingsten und Ewigkeitshoffnung bin zum Abendsegen in Buxtehudes Chorkantate „Befiehl dem Engel, dass er komm und bewach…”.

Buxtehude machte auch den musikalisch höchst reizvollen Auftakt mit einer Kantate, in der zwischen dem Wechsel von Chor, Solisten und Sopranchoral die Instrumentalisten mit filigranem, federnden Spiel den Raum der Kirche farbig zum Leuchten brachten. Das Ensemble Flessible, variabel besetzt mit je zwei Violinen und Violas, einem Violone sowie Laute und Orgelposition, begleitete auch die Arien mit feinster Tongebung. Von der Sopranistin Johanna Zimmer auf die Melodie des bekannten Kirchenlieds „Aus meines Herzens Grunde” gesungen, gab die Choralstrophe das Motto für die folgenden Werke.

Zwischen dem Geburtsjahr des Organisten Franz Tunder (1614) und Johann Sebastian Bach (1685) liegt ein Dreivierteljahrhundert, entsprechend reichhaltig und unterschiedlich war der barocke Stil der Kantaten. Tunders „Hosianna, dem Sohne Davids” entfaltet kunstvoll in kurzen Chorsequenzen, einer Bassarie und einem Duett von Sopran und Alt den liturgischen Text in der venezianischen Tradition. Beim Thomaskantor und Vorgänger Bachs in Leipzig Johann Kuhnau wird der Inhalt seiner Passionskantate „Gott, sei mir gnädig” in bildhaft eindringliche musikalische Figuren übertragen, und Bachs frühe Osterkantate „Christ lag in Todesbanden” bringt den Auferstehungsjubel schon im Eingangschor in einem temporeich beflügelten „Halleluja” zum Ausdruck. Vom nur mit Orgel und Laute begleiteten Sopran/Alt-Duett „Den Tod niemand zwingen kunnt” bis zum zweistimmigen Koloraturenglanz von Sopran und Tenor („So feiern wir das hohe Fest“) und dem Schlusschoral („Wir essen und wir leben wohl / im rechten Osterfladen”) boten der Ludwigsburger Motettenchor, das Instrumentalensemble und die Solisten Johanna Zimmer (Sopran), Isolde Assenheimer (Alt), Dietrich Wrase (Tenor) und Torsten Müller (Bass) unter Fabian Wöhrles Leitung eine eindrucksvolle Wiedergabe dieser Bachkantate.

In Philipp Heinrich Erlebachs Pfingstkantate „Ich will Wasser gießen auf die Dürstenden” zeigte sich der 22-stimmige Chor koloratursicher und homogen, und die sonst bei den Neuen Vocalsolisten auch in zeitgenössischer Musik virtuos gestaltende Johanna Zimmer machte Tunders Solokantate „Ach Herr, lass deine lieben Engelein” mit wunderbar klarem, vibratolosem Timbre zu einem der Höhepunkte des Konzerts. Schade, dass wenige Besucher den Weg in die Friedenskirche gefunden hatten. (ze)

Aus: Ludwigsburger Zeitung vom 26.01.2016