Weil im Schönbuch: Ein Freudenspiegel des ewigen Lebens

Eingetragen von Uwe Mindrup am Do, 28.01.2016 - 12:54
Konzert zum Beginn des Kirchenjahrs in der Martinskirche

Musikalisch durch das Kirchenjahr

Es war ein anspruchsvolles und ganz und gar wunderbares Konzert, das am vergangenen Samstagabend in der Weiler Martinskirche stattgefunden hatte. Gemeinsam mit dem Ensemble Flessibile, das mit verschiedenen Streichinstrumenten, Laute und Orgel auftrat, sang der Ludwigsburger Motettenchor unter Leitung von Fabian Wöhrle Kantaten, die das Auditorium musikalisch durch das eben angebrochene Kirchenjahr begleiten wollten. Dabei kamen Werke von Kuhnau, Bach und Buxtehude zum Klingen. Vielfältig – sowohl musikalisch, als auch thematisch.

Philipp Nicolai (1556 – 1608), einst Pfarrer und unerbittlicher Verteidiger des Luthertums veröffentlichte 1599 unter dem Titel „Ein Freudenspiegel des ewigen Lebens“ Texte und Melodien, die sich thematisch und inhaltlich mit den verschiedenen Aspekten des Kirchenjahrs auseinandersetzen. Diese Publikation diente den Weiler Verantwortlichen als Namensgeber für ihren Konzertabend am vergangenen Samstagabend in der Martinskirche. Augenblicklich liegt das Jahr noch vor uns – was bringt es, was nimmt es, was hält es bereit? Die Musik gibt darauf so manche Antwort, unterstützt die Freude, nimmt vielleicht auch einiges an Sorge. Die Eingangskantate von Dietrich Buxtehude (1637-1710) „Alles, was ihr tut“ war eine wunderbare Eröffnung dieses Abends – in mehrerlei Hinsicht: viel zu häufig kommen bei Konzerten immer die selben großen Oratorien zur Aufführung, schön, wenn dieses Schema einmal durchbrochen wird und sich die Musizierenden mit eher weniger benutzter Literatur auseinandersetzen. Artikulation und Stimmlichkeit fanden in dieser Eröffnungskantate eine gute Balance. Beweglich und lebendig sang der Chor und die Solisten brachten die Gefühle bereits von den ersten Takten an sehr berührend zum Ausdruck.

Es folgte Franz Tunders (1614-1667) „Hosiana, dem Sohne Davids“. Tunder war bis 1667 Organist an der Marienkirche in Lübeck und begründete dort die berühmten Abendmusiken, die dann sein Schwiegersohn Buxtehude bis zum Jahr 1707 fortführte. Hervorzuheben in Tunders Werk ist vor allem die klangprächtige Fünfstimmigkeit des Chores. Dazu kommen die ebenfalls fünfstimmigen Streicher. Zu den wichtigsten Kompositionen Johann Kuhnaus (1660-1722) gehört ohne Zweifel die Kantate "Gott, sei mir gnädig", die auf breite und wirkungsvolle Tutti und Soli aufgebaut ist. Die Musiker am vergangenen Samstagabend boten eine sehr schöne Interpretation der Komposition, die ihnen sogar einen spontanen Zwischenapplaus bescherte. Dass Johann Sebastian Bachs (1685-1750) Osterkantate „Christ lag in Todesbanden“ an einem solchen Konzertabend nicht fehlen durfte, versteht sich fast von selbst. Die Klangfarbenvielfalt dieses Stückes verband sich auf äußerst harmonische Weise mit den eingesetzten Instrumenten und wurde durch die Stimmen der Solisten Johanna Zimmer (Sopran), Altistin Isolde Assenheimer, Tenor Dietrich Wrase und Torsten Müller (Bass) ergänzt. Es folgte die einsätzige Pfingstkantate des einstigen Rudolstädter Hofkapellmeisters Philipp Heinrich Erlebachs (1657-1714) „Ich will Wasser gießen“ und schloss einen sehr durchdachten und sehr poetischen Konzertabend ab. (cos)

HInweis: Die Konzertkritik findet sich auf der Seite gemeindeklick.de - Weil im Schönblick mit drei schönen Bildern vom Konzert.